Gold ist in der Nähe eines zweimonatlichen Tiefs. Soll man die Gelegenheit nutzen und kaufen – oder sich auf einen Preis von 3.500 Dollar vorbereiten?

Geschrieben vonDaily Insight
2026.06.09 Dienstag 09:45 UND3 Min. Lesezeit
JPM--

Der Goldpreis hat den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Monaten erreicht. Der Silberpreis ist ebenfalls stark gefallen. Der langfristige Boom der Edelmetalle ist vielleicht noch nicht vorbei – aber die Investoren stehen nun vor einer schwierigen Entscheidung: Ist dies eine Kaufgelegenheit, oder könnten steigende Zinsen sowie eine schwächere Nachfrage dazu führen, dass die Preise weiter fallen?

Gold’s langfristiger Investitionspotenzial bleibt weiterhin bestehen. Allerdings sind seine kurzfristigen Aussichten zunehmend problematisch geworden.

Bis zum 9. Juni notiert Gold bei etwa 4.320 US-Dollar pro Unze. Das war der niedrigste Stand seit dem 23. März. Silber hingegen notiert bei etwa 68 US-Dollar pro Unze – nachdem es in der vorherigen Woche um fast 10 Prozent gefallen ist. Das Verhältnis zwischen Gold und Silber hat sich auf etwa 63,4 erhöht. Dies spiegelt die stärkere Korrektur des Silbers wider.

Die jüngste Verkaufsaktion wurde durch eine Kombination aus steigenden Zinsen der US-Staatsanleihen, einem stärkeren Dollar, geringerer Nachfrage nach Waren sowie den wachsenden Erwartungen an die Möglichkeit der Federal Reserve, die Zinssätze vor Ende des Jahres 2026 zu erhöhen.

Dennoch erwarten die großen Banken weiterhin, dass der Goldpreis in der langfristigen Zukunft neue Höhen erreichen wird. Das Ergebnis ist eine stark asymmetrische Situation: Der Goldpreis kann zwar irgendwann über 5.000 Dollar steigen, aber Investoren müssen zunächst eine noch stärkere Korrektur überstehen.

Gold’s langfristiges „Bull-Portfolio“ übersteht den Kursrückgang.

JPMorgan argumentiert, dass der jüngste Rückgang des Goldpreises eher eine Pause darstellt – nicht das Ende des Bullenmarktes. Ihre Prognosen zufolge wird der Preis von Gold im vierten Quartal des Jahres 2026 auf etwa 5.055 Dollar pro Unze liegen. Im zweiten Halbjahr des Jahres 2027 wird der Preis von Gold dann über 5.400 Dollar pro Unze steigen.

Die positive Prognose der Bank basiert auf einer anhaltenden Nachfrage seitens der Zentralbanken und der Investoren.

Es wird erwartet, dass die Goldkäufe der Zentralbank weiterhin bei etwa 800 Tonnen pro Jahr liegen werden. Die Nachfrage seitens der Investoren könnte hingegen durchschnittlich etwa 275 Tonnen pro Quartal betragen. Zusammen könnten diese Käufer eine jährliche Nachfrage von rund 585 Tonnen generieren. Dies würde dazu beitragen, den Rückgang des Konsums an Schmuck und anderen industriellen Produkten aufgrund der höheren Preise auszugleichen.

Die langfristige Logik bleibt weiterhin die gleiche. Die Zentralbanken versuchen weiterhin, ihre Reserven von dem Dollar abzuziehen. Gleichzeitig suchen Investoren nach Schutz vor geopolitischer Instabilität, Inflation, hohem Staatsdefizit sowie Bedenken bezüglich der Glaubwürdigkeit der Währung.

Citi bleibt auch in längerer Zeitperspektive optimistisch. Die Golduntergrenze für die nächsten sechs bis zwölf Monate liegt bei 5.000 US-Dollar pro Unze. Gleichzeitig wurde die drei-monatige Untergrenze von 4.300 auf 4.000 US-Dollar gesenkt.

Die Botschaften von beiden Banken sind ähnlich: Die strukturellen Aspekte der Goldmärkte bleiben unverändert – doch der Weg nach oben könnte volatil sein.

Warum der Goldpreis zuerst auf 3.500 Dollar fallen könnte

Das unmittelbare Problem für Gold ist die rasche Veränderung der Zinserwartungen.

Die stärkeren als erwarteten Arbeitsplatzzahlen aus den USA zeigen, dass die Wirtschaft im letzten Monat 172.000 neue Arbeitsplätze geschaffen hat. Die Händler schätzen nun eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 70 Prozent, dass die Federal Reserve die Zinssätze im Dezember erhöhen wird. Diese Schätzung liegt deutlich höher als die Erwartungen vor einem Monat.

Hohe Zinssätze erhöhen den Opportunitätskosten des Halten von Gold – schließlich generiert Gold keine Einkommen. Die steigenden Renditen der Staatsanleihen sowie der Dollar, der bei einem Rekordwert von knapp zwei Monaten liegt, haben weiterhin Druck auf die Märkte ausgeübt.

Auch die physischen Anforderungen werden immer geringer. Hohe Preise haben die Käufer von Schmuck sowie andere Konsumenten, die auf Preise reagieren, davon abgehalten, Schmuck zu kaufen. Zudem sind die Bestände der weltweit größten Gold-ETF in letzter Zeit um 0,5 Prozent zurückgegangen – auf etwa 929,6 Tonnen.

Die Energiepreise sowie die Situation vor der Straße von Hormus bleiben weiterhin ein großes Risiko.

Wenn der Weg durch die Schlucht bis zum Ende des Sommers weiterhin blockiert bleibt, könnten hohe Energiepreise die Inflation noch weiter fördern und die Notwendigkeit für eine strengere Geldpolitik verstärken.Citi warnt davor, dass schwächere Kaufaktionen von Gold in diesem Szenario dazu führen könnten, dass die Preise auf etwa 3.500 US-Dollar pro Unze steigen.

Eine Waffenruhe oder ein Friedensabkommen hätte gemischte Folgen. Niedrigere Energiepreise könnten die Inflation senken und die Druckbelastung auf die Federal Reserve bei der Anhebung der Zinssätze verringern. Allerdings würde eine Verringerung des geopolitischen Risikos auch die Nachfrage nach Gold als Sicherheiten schwächen.

Das macht den kurzfristigen Handel in beiden Richtungen anfällig. Ohne eine erneute körperliche Kaufaktion oder eine deutliche Verringerung der Erwartungen bezüglich weiterer Zinsschritte, wird es für Gold schwierig sein, einen Aufschwung zu erzielen.

Gold sieht immer noch besser aus als Silber.

JPMorgan bleibt bei den Silberpreisen vorsichtig. Es schätzt, dass die Durchschnittspreise im Jahr 2026 etwa 81 Dollar pro Unze betragen werden und im Jahr 2027 bei 85,50 Dollar pro Unze liegen werden. Allerdings ist JPMorgan bei Silber vorsichtiger als bei Gold – schließlich hängt der Silberpreis stark von der industriellen Nachfrage ab.

Industrielle Anwendungen machen etwa 60 Prozent des weltweiten Silberverbrauchs aus. Das bedeutet, dass Silber in Zeiten starker wirtschaftlicher Wachstumsphasen eine hohe Bedeutung hat. Gleichzeitig macht dies das Metall auch anfälliger für Schwierigkeiten, wenn die Nachfrage nach dem Material in der Fertigung oder in der Technologieindustrie abnimmt.

Die Nachfrage nach Solarpanels ist eine besondere Herausforderung. Hersteller reduzieren die Menge an Silber, die für die Herstellung der Panels benötigt wird, und entwickeln Technologien, die es ermöglichen, kostengünstigere Materialien zu verwenden. Diese Effizienzsteigerungen könnten eine der wichtigsten Treiberkräfte für die Nachfrage nach Silber beeinträchtigen.

Die Nachfrage nach Silber in China wird ebenfalls voraussichtlich um etwa 14 Prozent pro Jahr sinken. Dies wird wiederum eine weitere Belastung für den Markt darstellen.

Zu Beginn der Handelssitzung mit Edelmetallen wirkte Silber im Vergleich zu Gold als billiger Werttitel – schließlich lag das Verhältnis zwischen Gold und Silber über 90. Dieser Argument ist heute jedoch nicht mehr so überzeugend. Da das Verhältnis nun bei etwa 63 liegt, bietet Silber keine mehr so offensichtliche Möglichkeit zur Gewinnmaximierung im Verhältniswertssystem.

Die jüngsten Entwicklungen auf dem Markt bestätigen diese Bedenken. Der Preis für Gold ist auf etwa 4.320 US-Dollar gefallen. Doch der Preis für Silber ist noch stärker gefallen – auf etwa 68 US-Dollar. Das zeigt, wie schnell die industrielle Bedeutung von Silber sowie die höhere Volatilität dazu führen können, dass Verluste noch größer werden.

Für Investoren, die eine defensive Anlageform suchen, bleibt Gold die sinnvollere Wahl. Silber könnte während einer erneuten Risikoaversion mehr Potenzial bieten – doch es birgt auch größere fundamentale und zyklische Risiken.

Kaufen Sie das Angebot – oder warten Sie lieber?

Die langfristige Situation mit Blick auf den Goldmarkt hat sich nicht verändert. Die Kaufaktivitäten der Zentralbanken, die Diversifizierung der Reserven sowie die Nachfrage der Investoren tragen weiterhin dazu bei, dass die Preise in den kommenden Jahren weiterhin überdurchschnittlich bleiben werden.

Aber langfristiger Optimismus löscht die kurzfristigen Risiken nicht aus.

Gold erhält gegenwärtig höhere Erträge. Der Dollar ist stärker als je zuvor, die physische Nachfrage nach Gold ist schwächer, und die Erwartungen bezüglich einer Erhöhung der Zinssätze durch die Federal Reserve steigen rapide. Unter den Bedingungen eines anhaltenden Energie- und Inflationsschocks könnten die Preise auf etwa 3.500 US-Dollar fallen – bevor sie schließlich wieder ansteigen.

Für langfristige Investoren könnte eine weitere Verfall der Preise eine Gelegenheit darstellen, um Gold schrittweise anzuhäufen – anstatt nach einem plötzlichen Aufschwung zu handeln. Für kurzfristige Händler ist es jedoch riskant, den Preisrückgang auszunutzen, ohne dabei ein ausreichendes Stopp-Level zu haben.

Silber erfordert noch mehr Vorsicht. Die langfristigen Engpässe bei der Versorgung mit Silber bleiben zwar bestehen, aber die schwächende industrielle Nachfrage, der geringere Konsum in China sowie die verringerte Effizienz von Solarzellen führen zu erheblichen Herausforderungen.

Die klare Schlussfolgerung ist, dass Edelmetalle auch in der Zukunft noch im Long-Trend sein könnten. Doch die einfache Handelsmöglichkeit für Edelmetalle ist vorbei.

Gold bleibt weiterhin die bevorzugte Verteidigungsanlage. Silber hingegen bleibt eine risikoreichere Option. Investoren, die versuchen, den Preisrückgang zu nutzen, müssen also akzeptieren, dass die Preise noch weiter fallen können, bevor der langfristige Aufwärtstrend wieder einsetzt.

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