Der IPO von Cerebras könnte trotzdem eine hervorragende Gelegenheit darstellen – schließlich ist Cerebras ein Unternehmen mit hohem Wert, das von Nvidia konkurrenzfähig ist. OpenAI und AWS sind dabei nur der Anfang.

Geschrieben vonDaily Insight
2026.05.12 Dienstag 06:16 UND5 Min. Lesezeit
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Während die Aktivitäten im Bereich der künstlichen Intelligenz weiterhin zunehmen und die Aktienkurse neue Höchststände erreichen, könnte der IPO-Markt endlich wieder an Schwung gewinnen – bevor SpaceX an die Börse geht. Cerebras Systems ist das „nächste Nvidia“ in der Welt der künstlichen Intelligenz. Das Unternehmen wird am 14. Mai unter dem Kürzel „CBRS“ an der Börse notiert werden. Während Nvidia derzeit die Dominanz im Bereich des Trainings von künstlicher Intelligenz hat, positioniert sich Cerebras als der führende Anbieter von Infrastrukturen für die Ausführung von Algorithmen. Dies gilt insbesondere, da die Ausführung von Algorithmen immer wichtiger wird, wenn es um die Anwendung von künstlicher Intelligenz in der Realwelt geht. Natürlich hat Cerebras bereits eine hohe Bewertung – aber sein enormes Potenzial sowie seine besseren langfristigen Aussichten könnten weiterhin zu einer signifikanten Steigerung der Aktienkurse führen, falls die Entwicklung im Bereich der künstlichen Intelligenz weiterhin anhält.

Die Übernahme wird von Morgan Stanley, Citigroup, Barclays und UBS geleitet – das zeigt, dass es eine starke institutionelle Unterstützung für diese Transaktion gibt. Der Preisbereich für die IPO wurde bereits auf 150 bis 160 US-Dollar pro Aktie angehoben. Die Bewertung beträgt etwa 32 Milliarden US-Dollar. Das Verhältnis von Preis zu Umsatz liegt dabei bei 63:1, basierend auf den prognostizierten Einnahmen im Jahr 2025. Investoren drängen sich also darauf, an dieser Transaktion teilzunehmen – schließlich handelt es sich dabei um eine „nächste Nvidia“-Transaktion.

Der schnellste Informationsverarbeitungsspeicher der Welt – aber mit Nachteilen.

Cerebras wurde im Jahr 2016 gegründet. Es handelt sich um ein Unternehmen mit Sitz in Sunnyvale, das darauf abzielt, das Problem der „Verbindungsengpässe“ zu lösen – ein Problem, das moderne KI-Clustere verhindert. Im Gegensatz zu traditionellen Chipherstellern wie Nvidia oder AMD, die Siliziumwafer in kleinere Chips aufteilen und diese anschließend mit Hochgeschwindigkeitskabeln verbinden, nutzt Cerebras das gesamte Siliziumwafer als ein einziges „riesiges Prozessor“. Der Chip wird mithilfe des 5-nm-Prozesses von TSMC hergestellt. Derzeit ist es der größte Chip, der je hergestellt wurde.

Die Verarbeitung von Daten durch KI beruht in der Regel auf zwei Kernkomponenten: der Rechenleistung und der Bandbreite der Speicherverfügbarkeit. Mit 4 Billionen Transistoren sowie 900.000 kohlenstoffbasierten Kernen, die für die Anwendung von KI optimiert sind, ist der WSE-3 um das 58-fache größer als Nvidias B200-Chip. Zudem enthält der WSE-3 19-mal mehr Transistoren und bietet eine 2.625-mal höhere Speicherbandbreite als Nvidias B200-Chip – wobei der B200-Chip selbst aus zwei separaten Chips besteht.

Diese enorme Speicherbandbreite verleiht Cerebras einen großen Vorteil bei der Ausführung von Inferenzaufgaben. Diese Aufgaben werden immer wichtiger, da die Anwendungen der Künstlichen Intelligenz zunehmend in der Praxis eingesetzt werden. Dank dieses Vorteils können die mit dem WSE-Prozessor betriebenen Lösungen bis zu 15 Mal schneller arbeiten als solche, die mit Nvidias B200-Plattform ausgeführt werden – gemäß den Ergebnissen von Benchmarks mit Open-Source-Modellen.

Allerdings bedeutet das nicht, dass Cerebras keine Schwächen hat. Die Übernahme von Grok durch Nvidia im Dezember zeigt, dass das Unternehmen auch mehr Wert auf die Berechnungen legt. Durch die vertikale Integration könnte Nvidia letztendlich sowohl auf dem Markt für Trainingsprozesse als auch auf dem Markt für Berechnungen dominieren. Zudem ist der Herstellungsprozess bei Cerebras deutlich komplizierter und außerdem anfälliger für Defekte. Die Systeme kosten außerdem sehr viel Geld. Ein Cluster mit 45 Cerebras CS-3-Systemen, die in der Lage sind, ein Modell mit 1 Billion Parametern zu verarbeiten, kann mehr als 100 Millionen Dollar kosten. Ein Nvidia GB200-Rack hingegen kostet etwa 4 Millionen Dollar.

Bisher ist die Kundschaft von Cerebras hauptsächlich mit der Bewegung „Sovereign AI“ verbunden – dabei versuchen verschiedene Länder, eine unabhängige AI-Infrastruktur aufzubauen. Die wichtigste Partnerschaft des Unternehmens besteht mit G42 und der Mohamed-bin-Zayed-Universität für Künstliche Intelligenz. Dadurch konnte Condor Galaxy entwickelt werden – einer der schnellsten AI-Supercomputer der Welt.

Doch die spannendsten strategischen Partnerschaften der Firma wurden dieses Jahr geschlossen. Cerebras kündigte einen mehrjährigen Vertrag mit OpenAI an – der geschätzten Wert des Vertrags beträgt mehr als 20 Milliarden US-Dollar. Nach diesem Abkommen wird OpenAI 750 Megawatt von Cerebras’ Hochleistungs-AI-Infrastruktur nutzen. Zudem plant OpenAI, zukünftige Modelle gemeinsam mit Cerebras zu entwickeln, eine Minderheitsbeteiligung an der Firma zu erwerben und möglicherweise weitere 1 Milliarde US-Dollar für die Entwicklung von Datacentern zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig hat Cerebras auch ein Partnerschaftsabkommen mit AWS abgeschlossen. Dadurch wird Cerebras das erste Unternehmen sein, das seine Systeme innerhalb der Datacenter von AWS nutzt, wobei diese Systeme mit AWS’ Trainium-3-Chips integriert werden, um die Berechnungen zu beschleunigen.

Diese Partnerschaften könnten ein frühes Anzeichen dafür sein, dass die Großrechner immer mehr bereit sind, sich von Nvidia zu entfernen. Unternehmen wie Alphabet, Microsoft und Meta arbeiten bereits mit Broadcom an maßgeschneiderten ASIC-Lösungen. Diese Entwicklung könnte letztendlich auch Cerebras zugutekommen – besonders nachdem Nvidia noch tiefer in die Bereiche der Infrastruktur für die Auswertung von Daten eingestiegen ist.

Finanzielle Daten

Da Cerebras seine finanziellen Aussichten nur bis zum Jahr 2025 aktualisiert hat, bleibt die Voraussicht für das Jahr 2026 weiterhin begrenzt. Dennoch liefern die aktuellen Zahlen einen guten Einblick in die Entwicklung des Unternehmens.

Für das gesamte Jahr erzielte Cerebras Einnahmen in Höhe von 510 Millionen US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 76 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings verzeichnete das Unternehmen auch einen Nettoverlust von 146 Millionen US-Dollar. Der Bruttogewinn betrug 39 Prozent – gegenüber 42 Prozent im Jahr 2024.

Die Einnahmen lassen sich im Allgemeinen in zwei Bereiche unterteilen: Hardware und Cloud-Dienste. Zu den Einnahmen aus der Hardware gehören der Verkauf der CS-3-Systeme, integrierte WSE-AI-Chips, fortschrittliche Kühlungssysteme, Technologien zur Stromversorgung sowie Netzwerkkonzepte. Die Einnahmen aus dem Cloud-Bereich stammen aus der Bereitstellung von AI-Rechenkapazitäten über APIs oder durch Cloud-Anbieter wie AWS und Microsoft. Im Jahr 2025 erzielte die Hardware sowie der Cloud-Bereich jeweils Einnahmen in Höhe von 358 Millionen US-Dollar bzw. 151 Millionen US-Dollar. Das entspricht einer Steigerung von 69% bzw. 94% gegenüber dem Vorjahr.

Es gibt hier einige bemerkenswerte Punkte. Die Umsatzmargen bei Hardware und Cloud-Anwendungen lagen bei 43 % bzw. 30 %. Die Umsatzmarge bei Hardware verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr von 35 % – das zeigt, dass die Firmen eine stärkere Preispolitik haben. Die Umsatzmarge bei Cloud-Anwendungen hingegen fiel deutlich von 61 % aufgrund der steigenden Kosten für Infrastruktur und Rechenkapazitäten. Wichtig ist außerdem, dass der Vertrag mit OpenAI vermutlich einen bedeutenden Beitrag zu den Cloud-Umsätzen leisten wird. Dadurch könnten die Margen weiterhin unter Druck bleiben. Zum Vergleich: Nvidia hat derzeit eine Umsatzmarge von fast 75 %. Das zeigt den großen Unterschied in der Rentabilität zwischen den beiden Unternehmen.

Es ist auch zu beachten, dass Kunde A und Kunde B im Jahr 2025 jeweils 62% bzw. 24% des Gesamteinkommens ausmachten. Es handelt sich dabei vermutlich um G42 und MBZUAI. Das zeigt, wie stark Cerebras auf eine kleine Anzahl an wichtigen Kunden angewiesen ist. Obwohl dieses Konzentrationsrisiko bedeutend ist, ist es in der aktuellen Wettbewerbslandschaft der AI-Infrastruktur auch nicht ungewöhnlich. Noch wichtiger ist jedoch, dass die bestehenden finanziellen Daten des Unternehmens noch nicht vollständig die Beiträge von OpenAI oder AWS berücksichtigen. Damit bleibt Raum für eine möglicherweise bessere Zukunftsperspektive.

Cerebras hat auch stark in die Forschung und Entwicklung investiert. Im Jahr 2025 machten die Kosten für Forschung und Entwicklung 48 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Dabei lag der Anteil bei Nvidia bei etwa 8 Prozent und bei AMD bei 23 Prozent. Diese hohen Ausgaben zeigen, dass Cerebras sich auf die Entwicklung technologisch führender Produkte konzentriert. Gleichzeitig stiegen die Kosten für Verkauf und Marketing um 237 Prozent auf 70,6 Millionen US-Dollar. Dies deutet darauf hin, dass Cerebras versucht, seine kommerzielle Präsenz weiter zu verstärken.

Bewertung

Mit einem Wert von 32 Milliarden Dollar würde Cerebras auf einen Betrag geschätzt werden, der etwa 63 Mal so hoch ist wie die prognostizierten Einnahmen für das Jahr 2025. Das macht die Aktie auf den ersten Blick natürlich extrem teuer erscheinen. Allerdings werden diese finanziellen Daten noch nicht die Auswirkungen der Partnerschaften mit OpenAI und AWS berücksichtigen. Zudem könnten weitere Kunden aus dem Bereich der hyperscaler-Technologie in das Ökosystem eintreten – darunter mögliche Kooperationen mit Unternehmen wie Anthropic, Meta oder Google Cloud.

Wir können versuchen, eine ungefähre Prognose für die Einnahmen im Jahr 2026 auf der Grundlage der aktuellen Annahmen zu erstellen. Wenn das Unternehmen weiterhin einen organischen Umsatzwachstum von 50 Prozent aus seiner bestehenden Kundenbasis erzielen kann – was angesichts des anhaltenden Aufschwungs im Bereich künstlicher Intelligenz zwar noch konservativ ist – und wenn man auch die Zusagen von OpenAI mit einem Volumen von 20 Milliarden US-Dollar über drei Jahre berücksichtigt, dann könnte Cerebras in diesem Jahr etwa 7,7 Milliarden US-Dollar an Einnahmen erzielen. Unter dieser Annahme könnte das Preis-Nach-Umsatzes-Verhältnis schnell auf etwa 4,15x sinken.

Zur Vergleichung: Der durchschnittliche Verhältnis von Preis zu Umsatz bei den wichtigsten AI-Chip-Unternehmen, basierend auf den jährlichen Quartalsüberschuss, liegt derzeit bei etwa 19x. Das bedeutet, dass Cerebras letztendlich eine viel höhere Bewertung erhalten könnte, sofern die Leistung weiterhin gut bleibt. Natürlich setzen diese Prognosen voraus, dass OpenAI einen Preis von fast dem vollen Vertragswert bezahlt. Doch auch das ist unsicher, da OpenAI selbst mit Schwierigkeiten bezüglich des eigenen Cashflows konfrontiert ist.

Eine ausgewogenere Bewertungsgrundlage könnte ein P/S-Verhältnis von 15 sein. Unter der Annahme, dass OpenAI in diesem Jahr nur 60 Prozent seiner jährlichen Investitionen leistet und die bestehende Geschäftstätigkeit weiterhin um 50 Prozent wächst, könnte Cerebras eine Bewertung von etwa 74,4 Milliarden US-Dollar rechtfertigen – das ist etwa 123 Prozent über der aktuellen IPO-Bewertung. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Schätzung noch keine Berücksichtigung der Beiträge von AWS oder der zukünftigen Adoption durch Hyperscale-Anbieter enthält. Daher könnte die faire Bewertung des Unternehmens zwischen 74 und 100 Milliarden US-Dollar liegen. Allerdings stellt dies immer noch eine hohe Prämie für ein Startup dar, das in einem immer wettbewerbsintensiven Markt tätig ist.

Letztendlich bleibt Cerebras eines der am höchsten riskante, aber auch am vielversprechendsten AI-IPOs der letzten Jahre. Das Unternehmen liegt noch weit hinter Nvidia hinsichtlich seiner Größe, Rentabilität, des Ecosystems sowie der Vielfalt der Kunden. Zudem bringt seine Technologie erhebliche Herausforderungen bei der Umsetzung seiner Ideen mit sich. Doch seine einzigartige Position im Bereich der Geschwindigkeitssteigerung bei der Auswertung von Daten, zusammen mit dem wachsenden Unterstützungsangebot von OpenAI, AWS und anderen Unternehmen im Bereich der künstlichen Intelligenz, gibt Cerebras eine realistische Chance, zu einem bedeutenden Player im Markt für künstliche Intelligenz zu werden. Wenn der Boom der künstlichen Intelligenz weiterhin anhält und die Nachfrage nach solchen Lösungen wie erwartet zunimmt, könnte das Aktienpaket trotz seiner bereits hohen Bewertung weiterhin eine beträchtliche Rendite bringen.

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